Auslandsaufenthalte Teil 1: Erasmus-Studium in Finnland

 Hallo Leute,
dieser Post hat weder was mit Fitness, noch mit Food zu tun, aber da viele von Euch bei Instagram großes Interesse an meinen Auslandsaufenthalten während des Studiums gezeigt haben, kommt heute wie versprochen der erste Beitrag dazu. Wer kennt es nicht – man hat ständig Fernweh und hält es nicht länger als ein paar Wochen in „good old Germany“ aus. Man sehnt sich nach dem Strand, Sonne oder auch Bergen und sucht ein kleines Abenteuer, bei dem man unter anderem neue Kulturen kennenlernt und vielleicht Freunde fürs Leben findet. Auch ich habe bereits zu Mittelstufenzeiten in der Schule mit dem Gedanken gespielt, ein Auslandsjahr an einer amerikanischen High School zu machen. Leider ist das aber gar nicht so billig, sodass dieser Wunsch leider nie in Erfüllung gehen konnte. Die Schulzeit ging zu Ende, das Studium startete – raus von zu Haus (bzw. raus aus Deutschland) wollte ich immer noch. Angefangen hat dann alles im dritten Semester mit zwei Semestern Erasmus-Studium in Finnland, einem anschließenden Erasmus-Praktikum in England und letztendlich mit dem Verfassen meiner Bachelorarbeit auf den Seychellen. Da dieser Post alle Grenzen sprengen würde, werde ich ihn in 4 Teile aufteilen:
Teil 1: Erasmus Studium in Finnland (Joensuu)
Teil 2: Erasmus Praktikum in England
Teil 3: Bachelorarbeit auf den Seychellen
Teil 4: Allgemeine Tipps für Auslandssemester während des Studiums
Jeder, der mit dem Gedanken spielt ein Erasmus-Studium zu absolvieren sollte jetzt weiterlesen :D.

Vorgeschichte
Im 3. Semester besuchte ich eine Erasmus-Infoveranstaltung meines Fachbereiches. Ursprünglich war es für mich immer klar gewesen, dass ich meinen Auslandsaufenthalt in den USA oder Australien absolvieren würde, doch ein „Study Aborad“ Semester in diesen Ländern ist immer mit enormen Kosten verbunden und die Stipendien sind oft begrenzt und sehr leistungsbezogen. Hat man keinen 1,0 Schnitt und zusätzlich politisches/soziales Engagement aufzuweisen, ist es oft sehr schwierig an ein großes Stipendium zu kommen, dass die Kosten und Studiengebühren in Übersee deckt. „Warum also nicht in Europa orientieren“, dachte ich mir, denn auch hier gibt es einige schöne Städte die ich noch nicht gesehen habe und die meisten Universitäten haben viele Partnerschaften mit anderen europäischen Hochschulen. „Irgendwohin wo es warm ist und es einen Strand gibt“ – war damals meine einzige Vorraussetzung. Spanien oder Italien,… das waren ursprünglich die Ziele, an die ich so gedacht hatte. Schnell wurde mir allerdings klar, dass ich ohne entsprechende Spanisch- oder Italienischkenntnisse in diesen Ländern nicht wirklich eine Chance hatte.
Bei der Infoveranstaltung berichteten die „Zurückgekehrten“ Semester von ihren Erfahrungen in den jeweiligen Ländern und – man glaubt es kaum – schnell war ich von den Berichten aus Skandinavien so fasziniert, dass ich mich danach entschied meine Bewerbungen für ein Auslandssemester in den hohen Norden zu schicken. Die Wahl fiel auf Finnland, da die „University of Eastern Finnland“ mit meiner Uni und meinem Fachbereich einen ausgezeichnetes Partnerprogamm anbot.
Hier könnt ihr genau nachlesen was ERASMUS überhaupt ist und was ein Austausch über das Programm für euch bedeutet: KLICK
Vorbereitung
Zur Vorbereitung müsst ihr jeweils ein paar Dokumente (Motivationsschreiben, Lebenslauf, Formulare etc.) ausfüllen und an eure Uni/Hochschule schicken. Dieser Papierkram (wie in Deutschland halt so üblich) sollte euch aber nicht abschrecken, denn ihr bekommt für den im Vergleich geringen Aufwand, später ja auch eine unbezahlbare Zeit zugesichert. Außerdem musste ich einen uniinternen Sprachtest in Englischer Sprache machen (keine Angst, ihr braucht keine Finnisch-Kenntnisse :D), der aus Lese- und Hörverstehen, sowie dem Schreiben eines freien Textes bestand. Macht euch auch hier keinen Stress, der Test war super einfach und ist mit eurem Schulenglisch locker zu bestehen. Außerdem füllt man ein so genanntes „Learning Agreement“ aus. Hier werden alle Kurse, die man an der Partneruni besuchen will eingetragen. An unserer Uni fanden ein paar Wochen später zusätzlich „Bewerbergespräche“ statt. Hier wurde vor allem darauf geachtet, ob man sich mit seiner Wunschuniversität auseinandergesetzt hatte, welche Kurse man im Auslands geplannt hatte usw. Bei diesem Bewerbungsgespräch habe ich auch schon die Info erhalten, dass alles sehr positiv aussieht und ein paar Tage später bekam ich die Zusage für das Stipendium.
Wohnungssuche + Anreise
An meiner Partneruni in Finnland konnte man sich als Austauschstudent für ein Zimmer in einem Wohnheim bewerben (4er WGs mit geteilter Küche/Bad). Ich hatte Glück und ein echt tolles Zimmer für knapp 190 € im Monat bekommen. Tipps zur Wohnungssuche werde ich euch aber noch in Teil 4 der Post-Reihe geben. Die Anreise erfolgte bei mir mit Ryanair über Tampere und dann ging es weiter mit dem Zug in meine zukünftige Heimatstadt Joensuu.
Das Studium an der Gasthochschule
Der Campus
Ich habe wie bereites erwähnt an der „University of Eastern Finland“ studiert. Die Semester in Finnland sind in ein Frühlings- (Januar bis Mai)
und Herbstsemester(September bis Mai) unterteilt. Dazwischen gibt es keine richtigen Semesterferien, allerdings hat man z.B. an Weihnachten und Ostern jeweils eine Woche frei. Die Uni

bietet
verschiedene englischsprachige Austauschprogramme an. Im Gegensatz zum Studium im Deutschland, finden die Kurse in
Blockveranstaltungen statt, was ich sehr gut fand, da man sich so viel besser
auf ein Thema konzentrieren kann. Man muss bei vielen Kursen zusätzlich
Hausarbeiten schreiben oder eine Präsentation halten um die ECTS zu bekommen. Das
Englisch all meiner Dozenten war sehr gut verständlich und schon bald war es ganz
normal Berichte auf Englisch zu schreiben und Präsentationen auf Englisch zu halten.
Nachdem eine  Veranstaltung  zu Ende ist, steht natürlich auch eine Klausur
an. Meist werden 3 Termine angeboten, der erste findet oft bereits eine Woche nach
Ende des Kurses statt. Für die Klausuren muss man sich nicht anmelden, sondern
kann einfach an einem gewünschten Termin erscheinen. Es besteht außerdem die
Möglichkeit, zu einem erneuten Termin anzutreten, wenn man zum Beispiel seine Note
verbessern möchte. Zudem gibt es in Finnland noch die General Examination Days.
Diese sind einmal im Monat und dauern 4 Stunden. An diesen Tagen kann man so viele
Klausuren schreiben wie man möchte.

Reisen + Alltag/Freizeit
Wenn man in Joensuu ankommt, sollte man sich sofort ein
Fahrrad zulegen. Das kauft man am besten in einem der vielen Second Hand Shops
oder man mietet sich eines. Ein Fahrrad ist ein unverzichtbares Fortbewegungsmittel
in Joensuu! Damit kann man auch schön die Umgebung erkunden und Ausflüge zum Strand
etc. machen. Kurzer #funfact: Obacht im Herbst/Winter, wenn die Straßen rutschig sind. Talentiert wie ich bin, habe ich mich auf dem Weg zu einer Party unfreiwillig von meinem Fahrrad getrennt und bin statt auf der Party in der Notaufnahme gelandet. Deswegen habe ich jetzt auch eine schöne Narbe am Kinn :D.
Hauptfortbewegungsmittel
 Solange es noch einigermaßen warm ist, sollte man die Zeit nutzen
um Barbecues zu veranstalten, und vielleicht einmal im See zu schwimmen. Joensuu
ist eine sehr kleine Stadt, allerdings gibt es trotzdem genügend Sport-und Freizeitangebote.
Auf dem Campus gibt es ein kleines Fitnessstudio, welches man kostenlos
benutzen kann. Zudem werden noch andere Sportangebote (z.B. Fußball, Basketball,
etc.) von der Uni angeboten. Direkt neben der Uni gibt es außerdem ein Schwimmbad,
sowie ein Kino in der Innenstadt. Empfehlenswert ist auch ein Besuch eines
Eishockey-Spiels. Auch das Nachtleben in Joensuu kommt nicht zu kurz. Es gibt einige
Clubs und viele kleine Bars. Da es in Joensuu sehr viele Erasmusstudenten gibt,
ist eigentlich immer was los ;-).

Eishockey-Spiel – Lieblingssport der Finnen 😀
ESN Joensuu (Erasmus Student Network – gibt es an jeder Eramus Parteruni) bietet über das Semester verteilt viele Reisen an
(Stockholm, St. Petersburg, Lappland,…). Ich empfehle jedem so viel wie
möglich in Finnland zu reisen. Ich persönlich habe einen Boot-Cruise von Helsinki nach Stockholm
gemacht und war in St. Petersburg.
Stockholm
Unser Party-Schiff auf dem Weg nach Stockholm
St. Petersburg
Außerdem war ich im Feburar in Lappland. Vor allem diesen Trip, sollte man auf jeden Fall mitmachen. Hier hat man zudem die
beste Chance einmal Nordlichter zu sehen, mit einem Husky-Schlitten zu fahren, auf Skiern zu stehen, im Polarmeer zu schwimmen (und dabei fast zu erfrieren), ein Loch in einen zugefrorenen Schnee zu schlagen und nach der Sauna darin zu baden, Rentiere auf der Straße vor eurem Cottage zu treffen und vieles mehr :D. Außerdem macht man einen Abstecher zum echten Weihnachtsmann nach Rovaniemi – also schön artig sein!
Rentier vor unserem Cottage in Lappland
Unsere Sauna in Lappland 😀
Nordlichter
Huskysafari
Zu Besuch im Weihnachtsmann-Dorf in Rovaniemi
Fazit
Vor meiner Abreise wurde ich von vielen Freunden und meiner Familie ungläubig angeschaut: „Finnland? Ist es da nicht immer nur dunkel und kalt?“. Ja, das ist es durchaus, jedoch habe ich meine Entscheidung in dieses Land zu gehen niemals bereut. Es ist eine absolut außergewöhnliche Erfahrung, Temperaturen von – 30 °C zu erleben, bei denen einem selbst die Nasenhaare einfrieren und während es im Dezember fast kein Tageslicht gibt, muss man bereits ab Mitte Mai auch um 0 Uhr Nachts noch kein Licht anschalten.
Ohne die Erasmus-Infoveranstaltung wäre ich wahrscheinlich niemals nach Finnland gegangen und hätte einige schöne Moment – sei es mit neuen Freunden oder in der Natur (Nordlichter!!) verpasst. Ich empfehle euch deshalb, auch mal Länder in Betracht zu ziehen, die ihr vielleicht nicht sofort im Kopf habt, wenn ihr an euren Auslandsaufenthalt denkt.
Das Erasmus-Stipendium deckt leider nur eine kleine Summe eurer Ausgaben  (bei mir hat es glücklicherweise gerade so die Miete abgedeckt), ihr braucht also trotzdem Erspartes oder die Unterstützung eurer Eltern.  Finnland bzw. die skandinavischen Länder generell sind um einiges teurer als Deutschland – was vor allem bei Lebensmitteln wie Fleisch, Käse und Milch auffällt. Für die feierwütigen unter euch muss außerdem gesagt werden, dass Alkohol sehr(!!) teuer ist!
Noch ein paar Eindrücke:
Standardbekleidung 😀
Wie ihr seht, anders ist es nicht zum aushalten 😀 Und nein, versucht es erst gar nicht ohne Schal oder Mütze und Yedi-Stiefel
Ein See nicht weit von meiner damaligen Wohnalage
Joensuu im Winter
 Ich könnte ewig so weiter machen, denn ich habe mehr als 3000 Bilder aus meiner Zeit in Finnland! Ich denke aber, dass ihr so schon einen guten Eindruckt von meiner Zeit dort bekommt.
Ich übernehme keine Garantie, dass der Bewerbungsprozess etc. an eurer Uni/Hochschule genauso abläuft! Mein Erasmus-Studium Aufenthalt war im Jahr 2011/2012.

 

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